Warum wir eine Emanzipationsbewegung für Männer brauchen
Wer im Jahr 2050 einen Film über die gegenwärtige Männerkrise drehen wollte, müsste unbedingt die Szene drin haben, in der Jordan Peterson im Interview bei Piers Morgan zu flennen anfängt. Zum einen, weil sich die Szene ins kulturelle Gedächtnis eingebrannt hat. Zum anderen war der kanadische Psychologe der erste öffentliche Intellektuelle mit Durchschlagskraft, der sich um die Krise der Männer gekümmert hat. Vor allem aber, weil die Szene perfekt einfängt, was im Denken, Fühlen und Sprechen über männliche Probleme falsch läuft.
Piers Morgan konfrontiert Peterson mit den Aussagen einer Filmemacherin, die den Psychologen kurz zuvor als „Verrückten“ beleidigt hatte, als „pseudo-intellektuellen Helden der Incel-Community“. Incels, fügt Morgan an, das seien die „seltsamen alleinstehenden Männer, die in vielerlei Hinsicht verachtenswert sind“. Darauf fragt er Peterson: „Stimmt das? Sind Sie der intellektuelle Held dieser Typen?“
Peterson denkt kurz nach und antwortet: „Sicher. Warum nicht? Die Leute ziehen mich schon lange durch den Dreck, weil ich zu unglücklichen jungen Männern spreche. Als wäre das etwas ganz Fürchterliches.“ Dann hält er inne und bringt schließlich mit tränenbelegter Stimme hervor: „Ich hätte gedacht, wir sollen den Schwachen eine Stimme geben.“
Das Interview datiert von September 2022, ist also fast vier Jahre her. Am Problem hat sich trotzdem nichts geändert. Wer sich für die Belange von Männern einsetzt, wird als Rechtsextremist und Frauenhasser diffamiert. Noch immer herrscht eine breite gesellschaftliche Weigerung, das Leid von Männern anzuerkennen.
Linke Identitätspolitik richtet sich gegen Männer
Dieses Leid ist ein Monster mit zwei Köpfen. Da ist erstens die dominante linke Identitätspolitik. Sie trägt die Schuld daran, dass sich in vielen Köpfen eine Opferhierarchie breitgemacht hat, die fixiert ist auf die Kategorien Hautfarbe, Geschlecht und sexuelle Orientierung. Als benachteiligt und der Empathie würdig gelten demnach Menschen mit nicht-weißer Haut, Frauen und Angehörige der LGBTQ+-Gruppe. Weiße heterosexuelle Männer verkörpern den Bodensatz.
Dieses Denkmuster hat sich längst zum Hass auf Männer ausgewachsen. Die Forschung hat dafür den Fachbegriff „Misandrie“ geprägt, als Gegenstück zur Misogynie. So beschrieben die kanadischen Wissenschaftler Paul Nathanson und Katherine K. Young bereits 2001, wie feministische Kreise Misandrie seit den 1990er Jahren salonfähig gemacht haben, mit dem Ergebnis, dass das Stereotyp vom toxischen Mann heute fest in der westlichen Kultur etabliert ist.
Hinzu kommt der Gamma-Bias, eine Beobachtung, die die Psychologen Martin Seager und John Barry gemacht haben. Gemeint ist damit die Tendenz, Männer negativer darzustellen als sie sind, von Frauen wiederum ein positiveres Bild zu zeichnen, als es die Realität hergibt.
Welche verheerenden Auswirkungen das Stereotyp vom toxischen Mann hat, verdeutlichte jüngst die Berichterstattung um Collien Fernandes. Die Schauspielerin wirft ihrem Ex-Mann vor, jahrelang unter ihrem Namen gefälschte Nacktbilder und Pornovideos von ihr an Männer aus ihrem Berufsumfeld geschickt zu haben. Ebenso soll er mit den Männern unter ihrem Namen Online- und Telefonsex gehabt haben. Zudem hat sie ihn wegen häuslicher Gewalt angezeigt.
Ein beträchtlicher Teil der Medien machte aus dem Fall eine Kampagne gegen alle Männer. Der Generalverdacht gipfelte in Forderungen wie der, alle Täter „an ihren großen Zehen auf den Marktplätzen dieser Nation aufzuhängen und öffentlich zu kastrieren“ und „allen Männern, die jetzt irgendwas von Unschuldsvermutung in die Kommentarspalten rotzen, das Wort ‘Täterschützer’ auf die Stirn zu tätowieren“.
Die Influencerin Leonie Plaar alias Frau Löwenherz, die sich diese Entgleisung erlaubte, durfte kurz darauf in einer ZDF-Sendung zu einem anderen Thema auftreten, als wäre nichts gewesen. Bei einem ähnlichen Ausfall gegen Frauen, Ausländer oder jede weitere Gruppe hätte der Sender sie ausgeladen. Doch zur Gewalt gegen Männer aufzurufen, gilt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk augenscheinlich als unproblematisch.
Die meisten Männer sind gut
Etliche männliche Journalisten klagten sich selbst dafür an, ein Mann zu sein, da angeblich alle Männer einem „System“ angehören, „das Frauen strukturell missbraucht oder umbringt“. Derartige Einlassungen zeigen, wie weit die geistige und emotionale Verwirrung rund um das Mannsein fortgeschritten ist, kommentierte der Psychologe und Männerforscher Michael Klein treffend. Statt die simple Tatsache herauszustellen, dass der überwältigende Teil der rund 40 Millionen Männer in Deutschland vollkommen normal ist, keine Gewalttaten begeht oder gefälschte Pornos verschickt, arbeiten die Medien mit dem Zerrbild des gewaltaffinen und antisozialen Täters auf Abruf.
Ein Vorläufer der Fernandes-Kampagne war 2024 der Social-Media-Trend mit dem Mann und dem Bären. Junge Frauen wurden in Straßeninterviews gefragt: „Wärst du lieber mit einem Mann oder einem Bären allein im Wald?“ Der Großteil der Befragten antwortete wie aus der Pistole geschossen: „Mit einem Bären.“ Man kann virale Hits dieser Art amüsant finden und auf die leichte Schulter nehmen. Klüger wäre es, sie als Warnsignal zu deuten. Sicher, die meisten der interviewten Frauen zögen im Ernstfall doch den Mann dem Bären vor. So weit ist die Psychose vom toxischen Mann nicht gediehen. Aber derlei Trends bringen zum Vorschein, was im gesellschaftlichen Unterbewusstsein köchelt. In dem Fall die krude Idee, Männer seien gefährlicher als Raubtiere.
Gerade junge Frauen werden in ihrem Instagram-Feed, in der Uni und in ihrem sonstigen Umfeld mit dieser Ideologie zugedröhnt. Eine feindselige Haltung gegenüber Männern ist für viele von ihnen zur Selbstverständlichkeit geworden. In Großbritannien gaben in einer aktuellen Umfrage sieben Prozent der Männer zwischen 18 und 30 an, dem anderen Geschlecht negativ gegenüberzustehen. Bei den Frauen derselben Altersgruppe waren es dreimal so viele, 21 Prozent, die Männern negativ gegenüberstehen. „Hier wird die jahrzehntelange misandrische Propaganda gegenüber Männern und Männlichkeit deutlich“, bewertet der erwähnte Psychologe und Männerforscher Michael Klein das Ergebnis. Viele der befragten Frauen hätten mit Männern keine eigenen schlechten Erfahrungen gemacht, sondern „übernehmen eine medial verbreitete Haltung“.
Opferhierarchie diskriminiert Männer im Berufsleben
Unbestritten bleibt bei all dem die Tatsache, dass Frauen immer wieder an rücksichtslose, egoistische und zum Teil auch gewalttätige Männer geraten. Jeder dieser Fälle ist einer zu viel, und wenn Männer dieses Verhalten in ihrem Umfeld beobachten, müssen sie einschreiten und den Mund aufmachen. Daraus jedoch einen Generalvorbehalt gegen alle Männer abzuleiten, ist fatal und schlicht dumm. Dasselbe gilt im umgekehrten Fall für Männer, die schlechte Erfahrungen mit Frauen machen, und als Reaktion allen Frauen niedere Motive unterstellen.
Die linke Identitätspolitik belastet allerdings nicht nur die Beziehung der Geschlechter. Mit ihrer Opferhierarchie liefert sie die Rechtfertigung, Männer im Familienrecht zu benachteiligen und insbesondere weißen heterosexuellen Männern systematisch die Chancen im Arbeitsleben zu stehlen. Das passiert offen, etwa durch gesetzlich festgelegte Frauen- oder Migrantenquoten. Gleichzeitig wirkt die Diskriminierung über sozialen Druck und inoffizielle Quoten.
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Der Amerikaner Jacob Savage hat dieses Phänomen in einem langen Essay beschrieben, der im Dezember in den USA für Furore sorgte. In dem Text mit dem Titel „Die verlorene Generation“ seziert Savage das Schicksal weißer Millennial-Männer (Männer der Jahrgänge 1981 bis 1996), die eine Karriere in den Medien, in der Unterhaltungsindustrie oder an der Universität anstrebten. Wegen des Diversity-Diktats war es für die meisten weißen Männer unmöglich, in diesen Branchen Fuß zu fassen, unabhängig von ihrer Leistung und ihrem Fleiß.
Die Medienhäuser, Filmstudios und Fakultäten stellten Frauen, farbige Menschen und LGBTQ+-Personen ein, um die vermeintlich Jahrhunderte währende Unterdrückung durch weiße Männer zu sühnen. Es half den Männern auch nichts, sich selbst dem progressiven Lager zuzurechnen und linke Positionen zu vertreten, wie es Jacob Savage tat und tut. Er wurde dennoch aussortiert. Heute verdient er seinen Lebensunterhalt hauptsächlich damit, Konzert- oder Sporttickets zu kaufen und auf dem Schwarzmarkt teurer weiterzuverkaufen.
Der zweite Kopf des Monsters: Geld
Die linke Identitätspolitik mit ihrem Männerhass ist der eine Kopf des Monsters Männerkrise. Der zweite Kopf ist der ökonomische Abstieg des einst starken Geschlechts. Er betrifft die Männer aus der Mittel- und Oberschicht, in erster Linie leiden jedoch die Männer aus der Unter- und Arbeiterschicht, wie die Journalistin Eva Ladipo in ihrem formidablen Buch „Not am Mann“ schildert.
Die Nachkriegszeit war für Männer aller Schichten eine goldene Ära. Nachdem auf den Schlachtfeldern Millionen Soldaten gefallen waren, herrschte ein Frauenüberschuss. Zudem hatte der Krieg die Lücke zwischen Arm und Reich drastisch verkleinert. Die Lebenshaltungskosten waren enorm gesunken. „Selten gab es so wenige Hindernisse zur Familiengründung, selten war die materielle Schwelle so niedrig, selten blieben so wenige zeugungsfähige Männer allein und kinderlos“, konstatiert Ladipo.
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Doch seit den 1980er Jahren sind die fetten Jahre vorbei, vor allem für die Männer der Arbeiterklasse. Die Globalisierung und die Automatisierung haben Millionen von Arbeiterjobs, gut bezahlt und gewerkschaftlich abgesichert, vernichtet. Männer aus den unteren Schichten tun sich heute enorm schwer, mit ihrem Gehalt eine Familie zu ernähren. Laut einer Studie des Wirtschaftsberatungsinstituts McKinsey mit dem Titel „Ärmer als die Eltern?“ hatten etwa zwei Drittel der Haushalte in den reichsten Ländern der Welt mit sinkenden oder stagnierenden Einkommen zu kämpfen. Die 2016 publizierte Studie bezog sich auf den Zeitraum von 2005 bis 2014. „Am schlimmsten betroffen sind junge Arbeiter mit geringer Bildung“, stellten die Studienautoren fest.
Männern aus den unteren Schichten gelingt es kaum, über Bildung sozial aufzusteigen. Studie um Studie bestätigt, wie stark der Bildungs- und spätere Berufserfolg vom Geldbeutel der Eltern abhängt. Die soziale Mobilität ist in Deutschland seit den 1970er Jahren deutlich zurückgegangen, diagnostizierte unlängst das ifo-Institut.
Der Gender Pay Gap dreht sich um
Nicht nur für die Arbeiter-, sondern für alle Schichten gilt, dass Frauen die Männer in puncto Bildung längst überholt haben. In allen 38 OECD-Ländern gibt es mehr Abiturientinnen als Abiturienten, ebenso mehr Studentinnen als Studenten. An deutschen Universitäten studieren mittlerweile sogar in typisch männlichen Fächern wie Mathematik und den Naturwissenschaften mehr Frauen als Männer.
In anderen Fächern dominieren Frauen noch stärker: In den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften liegt der Frauenanteil bei 60 Prozent, im Medizinstudium bei 69 Prozent, in den Geisteswissenschaften bei 74 Prozent. Ferner gehen zwei Drittel der nicht bestanden Prüfungen auf das Konto von Männern, die außerdem länger brauchen, bis sie den ersten Studienabschluss schaffen.
Infolge dieser Entwicklung dreht sich der Gender Pay Gap, also der Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen, um. In Großbritannien ist das bei den 16- bis 24-Jährigen bereits geschehen. In Deutschland wird der Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen kontinuierlich kleiner. Dass Frauen die Männer noch nicht ausgestochen haben, liegt an der Boomer-Generation, in der der besserverdienende Mann die Norm ist.
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Ökonomisch zu versagen, greift die männliche Identität weitaus stärker an als die weibliche. „Wenn Männer kein Geld haben, ist das ein größeres Problem, als wenn Frauen keins haben. Es trifft sie härter, weil sie dadurch als Mann weniger attraktiv sind“, bringt es einer der gefragtesten Intellektuellen der USA, Scott Galloway, auf den Punkt. Frauen heiraten Männer, die entweder ähnlich viel Geld, bevorzugt aber mehr Geld als sie selbst besitzen. Ärmere Männer haben keine Chance. Soziologen und Evolutionsbiologen nennen dieses Prinzip Hypergamie.
Hypergamie ist tief in der menschlichen Natur verankert. Eva Ladipo zitiert in ihrem Buch den Anthropologen David Gilmore, der Studien über Männlichkeit auf der ganzen Welt ausgewertet hat. Kulturübergreifend gilt, dass Männer erst dann als echte Männer anerkannt werden, wenn sie in der Lage sind, die Versorgerrolle zu übernehmen.
Da sie von den Frauen wirtschaftlich überflügelt werden, scheitern immer mehr Männer an diesem Anspruch. Sie sind doppelte Loser, die keinen gut bezahlten Job und deshalb keine Partnerin finden. Das Resultat ist Einsamkeit und ungewollte Kinderlosigkeit. Dem Gefühl des Versagens begegnen viele Männer, indem sie sich selbst zerstören. Die Zahl der „deaths of despair“ – hierunter fallen die Todesfälle, die auf Selbstmord, Drogen oder Alkohol zurückgehen – hat sich unter den Männern der amerikanischen Arbeiterschicht seit 1991 mehr als verdreifacht.
Der Erfolg von Andrew Tate und Trump
In der Mehrheitsgesellschaft ist es für Männer heute unmöglich, ehrlich über die Angst, Scham und Verletzungen zu sprechen, die angesichts ihres doppelten Losertums über sie hereinbrechen. Sprechen sie doch darüber, müssen sie sich als Jammerlappen diffamieren lassen. Ironischerweise kommt diese erbarmungslose Reaktion aus jenem progressiven Milieu, das sonst bei jeder Gelegenheit den soften Mann propagiert, der zu seiner Verletzlichkeit steht und seine Gefühle zeigt.
Die Konservativen, speziell die konservativen Boomer, sind nicht besser. Sie sind gefangen im neoliberalen Denken mit dem Credo „Jeder ist seines Glückes Schmied“. In diesem Denken sind deklassierte Männer ausschließlich selbst schuld an ihrer Misere, weil sie faul und dumm sind. Das neoliberale Credo verstellt den Blick auf die strukturellen Ursachen wie die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom Status der Eltern oder die Diskriminierung von Männern im Arbeitsleben, die Jacob Savage in seinem Text über den Wissenschaftsbetrieb und die Medien- und Unterhaltungsbranche thematisiert.
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Das öffentliche Verschweigen, Kleinreden und Lustigmachen über die Männerkrise wiegt besonders schwer, da viele Jungs – anders als die Mädchen – auch in ihrem persönlichen Umfeld niemanden haben, der ihre Probleme versteht. Im Bildungssektor arbeiten überwiegend Frauen, und eine erschütternd hohe Zahl an Jungs wächst in kaputten Familien ohne Vater oder mit einem emotional abwesenden Vater auf. In jeder fünften „Familie“ in Deutschland erziehen die Eltern ihre Kinder allein oder getrennt, wobei die Alleinerziehenden in der Regel die Mütter sind.
Misandrie, wirtschaftliche Not, Einsamkeit, öffentlicher Spott, ein weibliches Bildungssystem und keine Väter, die als Vorbild dienen: Unter diesen Umständen ist es logisch, dass sich zahllose junge Männer fragwürdigen Figuren aus der Manosphere – dem Teil des Internets, der sich aus feminismuskritischer Perspektive mit Männerthemen beschäftigt – wie Andrew Tate zuwenden oder ihre Hoffnung auf irrwitzige Politiker wie Donald Trump setzen.
Die Psychologin Arlie Russell Hochschild hat den Mechanismus dahinter analysiert: Trump und Co. adressieren die Schamgefühle der gedemütigten Männer, indem sie versprechen, Rache zu nehmen an denen, die auf die Gedemütigten verächtlich herabblicken. Wie Hillary Clinton, die Trump-Unterstützer zu „deplorables“ herabwürdigte, zu erbärmlichen Existenzen.
Trump oder Tate mögen die Männer nicht aus ihrer wirtschaftlichen Sackgasse befreien. Doch mit ihrer Identitätspolitik von rechts geben sie ihnen ein Stück Würde zurück. Das Verunglimpfen von Frauen in Teilen der Manosphere funktioniert ähnlich. Es dient als Bewältigungsstrategie für die Scham, keine Frau zu bekommen. An die Stelle dieses vermeintlich schwachen, unmännlichen Gefühls treten angeblich starke, männliche Gefühle wie Wut oder Hass.
Die Krise lösen ist eine Generationenaufgabe
Eine Lösung sieht anders aus. Dieser Text beginnt damit, das Leiden der Männer aus dem Hier und Jetzt herauszulösen und es in einen größeren zeitlichen Zusammenhang einzubetten. Den Fokus auf die persönliche Verantwortung zu legen, wie es Jordan Peterson und die Neoliberalen predigen, ist zwar wichtig, greift aber zu kurz. Denn die Männerkrise ist kein zeitweiliges individuelles Problem weniger unfähiger Männer, sondern ein dauerhaftes soziales Problem. Es zu bewältigen, ist eine Generationenaufgabe.
Es wäre schön, wenn Frauen nach ihrem famosen Siegeszug bessere Gewinnerinnen wären und sich für die Belange des abgehängten Geschlechts einsetzen würden. Auch sie profitieren von starken Männern, die von der Gesellschaft wertgeschätzt werden und im Bildungswesen und in der Arbeitswelt mithalten. Ein gesundes Selbstwertgefühl ist die Voraussetzung dafür, als Ehemann, Freund, Vater, Bruder oder Kollege Verantwortung zu übernehmen.
Wahrscheinlich ist es allerdings nicht, dass die Frauen im großen Stil zu Männerverstehern werden. Etwas gegen die Männerkrise zu unternehmen, werten die meisten als Angriff auf den Feminismus und unterstellen Frauenhass dahinter. „Dass es Frauen nach Jahrtausenden der Unterdrückung für zwei Sekunden gutgeht, oder sogar besser, sollte nicht als Krise der Männlichkeit bezeichnet werden“, fordert die irische Schriftstellerin Anne Enright stellvertretend für zahlreiche ihrer Geschlechtsgenossinnen.
Nein, die Verantwortung liegt bei den Männern. So wie es den Frauen in ihrer Emanzipationsbewegung gelungen ist, müssen sie sich untereinander solidarisieren und den empathischen und rationalen Diskurs über die Männerkrise aus den Subkulturen des Internets in die Mitte der Gesellschaft tragen.
Das ist der erste Schritt, ehe konkrete Maßnahmen folgen müssen. Dann nimmt der Film 2050 ein gutes Ende.
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