Direkt zum Inhalt
Interview mit Theodor Meyer

Priester gegen den Trend

In deutschen Arztpraxen gibt es manchmal Schilder mit Aufschriften wie: „Seid nett zu den Sprechstundenhilfen – denn die sind derzeit schwerer zu bekommen als Patienten.“ Eine Begleiterscheinung des demografischen Niedergangs ist die sinkende Zahl junger Männer, die in den Priesterstand treten. Keine Kinder – keine Priester. Wurden zu Beginn der 1960er Jahre noch jeweils weit über 500 Diözesanpriester geweiht, sackte die Zahl 1974 schon auf unter 200 ab. Eine Unterbrechung im kontinuierlichen Rückgang stellten allein die achtziger Jahre dar – Ergebnis des geburtenstarken Jahrzehnts von 1955 bis 1964 (Baby-Boomer). Danach ging es weiter bergab. Im Jahr 2008 fiel auch die Hundert-Neupriester-Marke.

Das vergangene Jahr markierte ein vorläufiges Allzeittief: 2025 wurden im Zuständigkeitsbereich der 27 deutschen Diözesen nur noch 24 Männer zu katholischen Weltpriestern geweiht. Zehn Bistümer konnten überhaupt niemanden entsenden. Die 14 nördlichen Bistümer, darunter einst erzkatholische Hochburgen wie Paderborn, steuern dieses Jahr nur sechs Kandidaten bei.

Die erste Primiz nach 48 Jahren

Corrigenda hat unterdessen einen der in deutschen Landen rar gewordenen Priesteramtskandidaten aufgespürt, und zwar in Babelsberg, 1939 nach Potsdam eingemeindet und heute ein Stadtteil der Brandenburgischen Landeshauptstadt: in der Gemeinde St. Antonius. Die war bis vor dreieinhalb Jahren noch eine eigenständige Pfarrei, bis sie in der Großpfarrei Allerheiligen aufging, manche sagen auch, geschluckt wurde. Die Filialkirche in den Ausläufern der Großstadt konnte sich ihr eigenes, frommes Gepräge bis heute bewahren – sehr zum Unmut manch Großkopferter im übergreifenden Pfarreirat, die Subsidiarität nicht leiden können.

Zusammen mit drei anderen jungen Männern wird Diakon Theodor Meyer aus St. Antonius am 30. Mai um zehn Uhr in der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale zum Priester geweiht. Einen Priester, der aus St. Antonius hervorgeht – das hat es mit Pfarrer Bernhard Ollmert zuletzt 1978 gegeben. Die Gemeinde fiebert dem großen Tag der Primiz am Sonntag entgegen. Das erste Mal seit 48 Jahren wird wieder einer der ihren ein Gottesmann! Seit Februar betet ein kleiner Kreis in der Kirche immer an Donnerstagen um weitere Berufungen. Am E-Piano: Theodors jüngerer Bruder.

Theodor, altgriechisch „Gottesgeschenk“, Jahrgang 1996, ist der mittlere von drei Söhnen der Eheleute Meyer. Alle drei wurden von Klaus-Günter Müller getauft, als dieser von 1991 bis 1999 Pfarrer von St. Antonius war, bevor er das Propstamt in der Potsdamer Hauptkirche St. Peter und Paul übernahm. Alle drei dienten so eifrig in der Messe, dass sie als Oberministranten die jüngeren anleiten konnten. Dass man für die Gemeinde mittut und den katholischen Glauben für die Welt wirksam werden lässt – möglicherweise hat die Gestalt des Großvaters väterlicherseits von fern schon eine Einprägung hinterlassen.

Denn Hans Joachim Meyer, letzter Bildungsminister der DDR im Kabinett Lothar de Maizière, war von 1992 Vize, von 1997 bis 2009 Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Gleich nach der Wiedervereinigung des geteilten Berlins gründete Meyer die dortige Katholische Akademie mit. Kurt Biedenkopf holte ihn als Minister für Wissenschaft und Kunst nach Dresden. In Berlin wiederum stritt er leidenschaftlich dafür, die St.-Hedwigs-Kathedrale nicht umzugestalten, sondern so zu belassen, wie sie eben nach dem Krieg wiederaufgebaut worden war. Vergeblich.

Die Eltern: immer in der Kirche. Die Söhne: gemobbt von den Evangelischen

Theodors Eltern gehören in der St.-Antonius-Gemeinde gleichsam zum Inventar. Ob’s stürmt, ob’s schneit, sie sind einfach immer da, nehmen die Sonntagspflicht ernst seit Jahrzehnten. Der Vater ist Lektor und Küster, die Mutter machte früher Erstkommunionvorbereitung. Beide singen im Kirchenchor.

Dass einer der Söhne in den geistlichen Stand tritt: „Bei Theodor hätten wir es uns noch am ehesten denken können“, sagt die angehende Priestermutter gegenüber Corrigenda. „Wegen des Religionsunterrichts in der Gemeinde, da genügte eine Anregung, und er ist gern gegangen.“ Als er zum ersten Mal die heilige Kommunion empfangen durfte, habe er gesagt, das sei der schönste Tag seines Lebens gewesen. „Er war so beeindruckt, obwohl er sonst nicht so emotional ausbricht.“

Dass da vielleicht etwas sein könnte, habe die Mutter noch mal zu Theodors Gymnasialzeit bemerkt. Die Söhne gingen alle auf das Evangelische Gymnasium Hermannswerder, zu DDR-Zeiten Kirchliches Oberseminar, ein protestantisches Bollwerk. „Ihr Glaube wurde dort gestärkt, weil sie sich gegen die Evangelischen durchsetzen mussten“, erinnert sich die Mutter. „Sie wurden da gemobbt.“

Ein Pfarrer, der für den Glauben begeisterte, und Fotos nur mit Kirchen darauf

Und noch etwas. „Er hatte ein Faible für Kirchen, Kirchenräume, Kirchenarchitektur. Er konnte sich das alles so gut merken.“ „Er war 17, da ist er mit jemandem durch die Toskana gepilgert“, flicht sein Vater ein, „vierzehn Tage, ohne Karte. Und danach hat er uns einen Vortrag gehalten, Kirchenfotos, Details von Innenräumen, zweieinhalb Stunden lang. Sie selbst waren nie drauf, nur Kirchen.“

Kirchenbilder, gemalt von Theodor Meyer, aufbewahrt von seinen Eltern

Und dann die kirchliche Jugendarbeit und der Einfluss guter Pfarrer. „Die Religiösen Kinderwochen, davon war Theodor immer so begeistert. Auf dem Klavier hat er die Lieder begleitet, das hat er immer so gern gemocht“, weiß die Mutter noch. Die Religiösen Kinderwochen, die RKWs, sind eine Frucht der besonderen Situation der katholischen Gemeinden zwischen Elbe und Oder während der deutschen Teilung. Später leitete Theodor selbst einige Male die RKWs. Die Mutter erinnert sich auch noch an die Wirkung der Rom-Wallfahrten mit dem früheren Pfarrer von St. Antonius Matthias Patzelt. „Damit hat er unsere Kinder so gekriegt. Der hat die Kinder begeistert für den Glauben!“

Als Primizspruch hat Theodor Meyer sich das Petrus-Wort aus dem Johannes-Evangelium Kapitel 6, Vers 68 gewählt: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ Zur Primiz, der ersten heiligen Messe, die ein Neupriester feiert, und dessen anschließender Segen so wichtig ist, dass man dafür ein Paar Schuhe durchlaufen soll, werden die versammelten Gläubigen ein Lied singen. Theodor mochte es so sehr, dass er es auf die Rückseite des Novenen-Heftchens hat drucken lassen, das die Pfarrei zur Vorbereitung auf die Weihe herausgibt:

Hilf uns glauben wie Abraham,
der durch Gott erst zum Leben kam,
der nicht scheute zu gehen,
als der Herr ihm befahl:
Ziehe fort und verlass, was du hast!

Ein ganzer Diakon

Derzeit ist Theodor Meyer noch Diakon in der Berliner Pfarrei St. Josef im Ortsteil Köpenick. Bald schon wird er als Kaplan anstelle des auferstandenen Christus lehren, heiligen und leiten. Die Aufgaben des Priesters beschrieb Papst Benedikt XVI. einmal so:

„Er bietet die Wahrheit an, die Christus selbst ist, sein Wort, seine Art, zu leben und voranzugehen. Für den Priester gilt das, was Christus über sich selbst gesagt hat: ‘Meine Lehre stammt nicht von mir’ (Joh 7,16).“

Wenige Wochen vor der Priesterweihe und vor den letzten vorbereitenden Exerzitien lebte der junge Mann im Priesterseminar Paderborn. In der westfälischen Domstadt konnten wir mit dem jungen Mann sprechen und ihn fragen wie einst die Juden Johannes den Täufer: „Wer bist du? Was sagst du von dir selbst?“ (Joh. 1,22) Bereitwillig gab er Auskunft über Zweifel, Festigkeit und Gottes Rufen und zeigte sich nebenbei ganz als opferbereiter Diakon, stellte er doch einen beträchtlichen Teil seines freien Tages zur Verfügung. Wir führten unser Gespräch im Kreuzgang des Paderborner Doms, am Dreihasenfenster, einem Symbol des dreieinigen Gottes. Wir haben ihn nicht ins Kreuzverhör genommen, denn, wie gesagt: Seid nett zu den Neupriestern – weil diese schwerer zu bekommen sind als Gläubige.

Lieber Herr Diakon Meyer! Würden Sie uns bitte verraten: Hat es bei Ihnen ein bestimmtes Berufungserlebnis gegeben?

Ich würde nicht sagen, dass es ein einziges Erlebnis war, sondern wahrscheinlich eine Kette vieler Situationen. Und es gab aber trotzdem auch immer wieder Momente, die ganz, ganz stark waren. Das war besonders in der eucharistischen Anbetung. Obwohl ich die Frage der Berufung auch mit ins Gebet genommen habe, war dann aber oft der Mut nicht da, aus diesem Ruf eine Antwort folgen zu lassen. Oder die Unsicherheit, was ist das gewesen? Wie gehe ich damit um? Kann ich noch auf was anderes warten? Gibt es noch andere Zeichen? Ich habe sehr viel immer darum gebetet, dass Gott seinen Ruf so deutlich macht, dass ich ihn auch verstehe, weil ich auch mit Zweifeln zu kämpfen hatte, ob es der richtige Weg ist.

Können Sie sich an einen Moment später erinnern, der Ihnen gezeigt hat, dass Sie auf dem richtigen Weg sind?

Der erste Schritt war für mich, als ich gemerkt habe, ich muss auf diesen Ruf eine Antwort finden, dass ich erst mal angefangen habe, mich in das Studium der Theologie einzuschreiben. Ich habe damit erst mal ausprobieren wollen, auch testen wollen, wie fühlt sich das für mich an? Wie kann ich das ins Gebet nehmen? Schaffe ich das Studium? Wie sind die Inhalte des Studiums? Möchte ich mich damit auseinandersetzen?

War das in Erfurt?

Ja, genau. Aber noch außerhalb des Priesterseminars. Da habe ich gemerkt, ich bin auf dem richtigen Weg. Und für mich war klar, die Richtung stimmt. Ich musste den nächsten Schritt gehen. Und irgendwann war der nächste Schritt, dass ich in die Wohngemeinschaft des Seminars eingezogen bin, noch nicht als Seminarist, aber als Mitbewohner. Ich habe das dort genauso auch immer ins Gebet und in die geistliche Begleitung genommen – und auch dort wieder die Bestätigung erfahren, ich bin auf dem richtigen Weg.
So ging das, dass ich mich irgendwann entschieden habe, wie fühlt sich das an, ein Semester einfach nur mit der Entscheidung zu leben, für mich ganz persönlich. Und auch da habe ich eine große Klarheit empfunden. Der letzte Schritt war dann die Bewerbung für das Erzbistum Berlin.

Haben Sie vorher noch etwas anderes gemacht?

Nach dem Abitur war ich erst mal im Ausland, ein Jahr lang mit den Steyler Missionaren zusammen in Ghana. Und nach dem Abitur und auch in Ghana war der Gedanke, Priester zu werden, natürlich auch eine Frage für mich, mit der ich mich beschäftigt habe.

So früh bereits?

Ich muss sagen, dass ich damals nicht diese Sicherheit und diesen Mut aufgebracht habe: ich kann ja auch erst mal was anderes machen und schauen, wie es sich entwickelt. In Weimar habe ich an der Bauhaus-Universität Urbanistik, also Stadt- und Regionalplanung, studiert. Ich war mehrere Jahre da und hatte noch zwei Auslandssemester. Dort habe ich gemerkt: ja, das passt zu mir! Das trifft meine Interessen, ich mache das gern, das ist schön und richtig. Aber es fehlt was. Etwas ganz, ganz Wichtiges fehlt.

Was war das?

Das war, und das habe ich auch an meinen Kommilitonen gemerkt: die Frage nach Gott. Und für mich fehlte auch nach wie vor, wie ich eigentlich mein Leben mit Gott gestalten möchte. Wie ich das tun kann: mein Leben Gott widmen. Und nicht nur, wie möchte ich mein Leben mit Gott leben, sondern wie möchte auch Gott, dass ich mein Leben mit ihm lebe. Und das war für mich ungeklärt. Und deswegen war dann auch im Auslandssemester irgendwann klar, dass ich dieser Frage nachgehen muss. Ich muss mich auf den Weg begeben.

› Abonnieren Sie den Corrigenda-Newsletter und erhalten Sie einmal wöchentlich die relevantesten Recherchen und Meinungsbeiträge

Sie kommen aus einem katholischen Elternhaus. Sie haben noch zwei Brüder. Als in der Familie klar wurde, dass Sie doch noch mal grundsätzlich umsatteln und letztendlich Priester werden wollen: Wie ist das im Familienkreis aufgenommen worden?

Ich bin vorsichtig vorgegangen, solange ich selbst die Klarheit nicht hatte. Der erste Schritt war, dass ich angefangen habe, Theologie zu studieren, aber parallel zu meinem Urbanistikstudium.

Wissen Sie noch den Augenblick, wo Sie Vater und Mutter gesagt haben: Liebe Eltern, ich muss euch da was mitteilen?

Das war ein Sonntag in der Fastenzeit. Der Pfarrer hatte auch gerade über seinen persönlichen Berufungsweg gesprochen. Und für mich war klar, dass ich das jetzt zum Thema machen muss. Ich habe darüber gesprochen, dass ich das erste Studium abbreche – und damit war es notwendig zu erklären, wie sicher ich mir darin bin, dass ich diesen Weg zum Priestertum einschlagen möchte.

Wie war die Reaktion?

Die Irritation war erst mal schon groß. Es war, glaube ich, für meine Eltern für den Moment eine Überraschung. Wobei ich glaube, am Ende war das gar nicht so aus dem Nichts heraus. Meine Eltern haben schon immer gemerkt, dass ich da einen besonderen Hang habe, dass mir der Glaube besonders wichtig ist, dass ich mich viel zu gern in die Kirche einbringe, dass ich immer diese Fragen habe, wie ich mein Leben, auch existenziell, mit der Kirche gestalten möchte. Und nachdem ich das erklärt hatte, konnten die auch die Entscheidung gut annehmen und mich darin unterstützen. Bis heute erlebe ich viel Unterstützung aus meiner Familie.

„Es ist auch nicht viel anders als in einer Ehe“

Auch von Ihren Brüdern?

Das war der nächste Schritt, mit meinen Brüdern darüber zu reden. Das habe ich erst später getan. Ich war mit meinen Brüdern immer im engen Austausch, auch über solche Fragen, wie wir unser Leben gestalten wollen. Als mein Bruder sich verlobt und dann geheiratet hat, haben wir viel darüber gesprochen, welche Entscheidungen man im Leben trifft …

Es ist immer auch ein Rätsel – warum schlägt ein Mensch diesen bestimmten Lebensweg ein? Warum nicht einen anderen?

Das ist richtig. Grundsätzlich habe ich mir auch immer vorstellen können, eine Familie zu gründen. Ich konnte mir vorstellen zu heiraten, auch Vater zu werden. Und habe mir das auch zugetraut. Und dennoch war für mich klar, dass es auch eine gute Voraussetzung ist, um Priester zu werden, wenn man auch ein guter Vater gewesen wäre.

Ist es eine andere Art von Vaterschaft? Für die Gemeinde, als geistlicher Begleiter?

Ja, es ist eine Art von Vaterschaft, natürlich eine andere. Sorge zu tragen, Verantwortung zu haben, aus einer Liebe heraus, auch aus einer Art natürlicher Verantwortlichkeit heraus. Dabei mitzuhelfen, die Leute auf die eigenen Füße zu stellen, so etwa, wie das eigene Kind auf die Füße zu stellen und laufen lernen zu lassen, aber immer wieder die Hand hinzuhalten, wenn man mal nicht weiterkann. So habe ich meine Familie kennengelernt, meine Eltern. Das ist ein Bild, das ich in die pastorale Arbeit, in den priesterlichen Dienst mitnehmen kann.

„Durch das Zölibat entsteht eine große Freiheit: frei zu werden für die anderen Menschen, aber auch gerade für Gott“: Theodor Meyer im Innenhof des Kreuzgangs des Paderborner Domes

Als Sie sich 2022 letztendlich entschlossen, ins Seminar zu gehen – wie sind Sie dort mit Zweifeln und immer noch möglichen Alternativen umgegangen? Man ringt vielleicht mit der Frage: Das sind heute meine Auffassungen, aber ob die in 15 Jahren noch so bestehen? Mit einem geistlichen Beruf legt man sich sehr fest.

Ja, aber es ist auch nicht viel anders als in einer Ehe. Es geht um die Entschlossenheit, um die Entschiedenheit. Und es gehört dazu, dass Krisen kommen können. Ich weiß nicht, was in 15 Jahren ist. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass ich mit Gott das leben kann und, zumindest vor dem Hintergrund, was ich jetzt weiß und wovon ich überzeugt bin, dass ich das auch möchte.

Sich in den Dienst Gottes zu stellen – das könnten Sie auch an einer anderen Arbeitsstelle. Auch in der Ehe könnten Sie Gott dienen. Was geben Sie auf solch einen Einwand zurück?

Ja, das stimmt, und lange Zeit habe ich mit dem Gedanken gelebt, dass ich auch so mein Leben mit Gott leben kann. Und trotzdem war für mich die Frage, inwieweit möchte ich mein ganzes Leben Gott widmen, mich ganz in diesen Dienst rufen lassen und dann auch stellen, mit all meinen Kräften und Fähigkeiten. Gerade dieses Sich-in-den-Dienst-nehmen-Lassen, dieses Zum-Werkzeug-Werden, auch das Freiwerden dafür, dass Gott durch einen handeln kann, das ist ganz besonders verwirklicht im priesterlichen Dienst. Denn das Zölibat ist ja kein Zwang oder keine Engmachung, sondern es ist eine große Freiheit, die dadurch entsteht: frei zu werden für die anderen Menschen, aber auch gerade für Gott; dass Gott durch mich handelt und dass die anderen Menschen mir begegnen können; dass ich ihnen begegnen kann und dadurch Gott sichtbar werden kann.

Das Zölibat ist kein Zwang. Inwiefern?

Also zum einen ist es eine freiwillige Entscheidung, die ich treffe. Und es ist eine Entscheidung in die Freiheit. Deswegen würde ich sagen, ist es kein Zwang. Ich kann mir vorstellen, dass es zu meiner Erfüllung beiträgt. Also nicht, dass es der Erfüllung im Weg steht oder dass es eine Last ist, sondern dass es dem, wie ich leben möchte, entspricht und dass ich dadurch freier werde, für Gott und für die Menschen zu leben.

Eine Neigung zum Priestertum zu haben, ist das eine. Wie wird festgestellt, ob man auch eine Eignung zum Priestertum hat? Wer entscheidet darüber?

Im Idealfall kommen da verschiedene Aspekte zusammen: die eigene Prüfung, das Studium in der Fakultät, der Regens des Seminars, der Austausch mit den Mitbrüdern und natürlich auch die ständige Rückmeldung, die man bekommt, auch aus der Familie, aus dem Freundeskreis, wie die einen wahrnehmen. Eignung kann ja auch sehr verschieden aussehen, und gleichzeitig muss auch ein Priester nicht alles können (lacht). Und jeder hat seine Fähigkeiten, die er mit einbringt.

Dann darf man nicht vergessen, was Gott dabei alles tut, und dass das ohne Gott gar nicht möglich wäre, dass er der Wesentliche ist, der handelt.

 

Viele Dinge, die ich nach der Diakonweihe gemacht habe – ich hätte mir wahrscheinlich vor fünf oder zehn Jahren nicht im Traum vorstellen können, dass mir das irgendwie gelingen kann. Aber das ist Gott, der das vollbringt.

 

Nennen Sie mal zwei Beispiele, bitte.

(denkt kurz nach) Zum Beispiel vor Menschen zu stehen und zu predigen. Ich hätte es mir wahrscheinlich nicht vorstellen können, dass ich das überhaupt will und gern mache und dass ich es schaffe, etwas zu sagen, was bei den Menschen ankommt.

Beim Predigen in seiner Heimatgemeinde St. Antonius in Potsdam-Babelsberg, Juli 2025

… und ein zweites Beispiel?

Das seelsorgliche Gespräch. Mit den Menschen über deren Freude und über deren Sorgen zu sprechen und dann angemessen darauf zu reagieren. Das ist auch eine Frage der Haltung: Wie man sich darauf einlässt, dass man selbst einfach jetzt gerade ganz Ohr sein möchte.

Mit großer Spannung sehe ich auch auf das Sakrament der Versöhnung, das ich nach der Priesterweihe spenden kann. Darauf bin ich sehr gespannt, wie das wird. Und da bin ich einerseits sehr skeptisch, was meine Eignung angeht. Andererseits ist mein Vertrauen groß, dass ich das mitbringe, was man dazu braucht und dass den „Rest“ Gott tut.

Sie haben sich für das römisch-katholische Priestertum entschieden in einer Zeit, in der sich vielerorts die Laien zu Herrschern in der Kirche aufschwingen. Haben Sie im Priesterseminar über diese Wahrnehmung reflektiert? Teilen Sie diese Wahrnehmung?

Durch die Taufe sind wir alle berufen, in der Kirche mitzuwirken mit unseren Fähigkeiten. Die Dinge, die in der Kirche geschehen – die Verkündigung des Glaubens, der Dienst am Nächsten, das gemeinschaftliche Gebet und der Gottesdienst – sind auch immer Aufgabe aller Gläubigen. Es ist die Frage, wie verhalten sich das allgemeine und das besondere Priestertum zueinander …

Jeder hat seine spezifischen Aufgaben.

Es geht darum, die Gläubigen zu befähigen für die Aufgaben, die sie in dieser Welt haben. Und gleichzeitig ist ganz wichtig, dass die Kirche sakramental verfasst ist, dass im Mittelpunkt Gott steht und dass er durch die Kirche wirkt, in den Sakramenten wirkt. Und das darf nicht aus dem Blick verloren werden, dass sich die Kirche um Christus versammelt! Das Priestertum steht auch für diese sakramentale Verfasstheit der Kirche.

Engagierte Laien – Messdiener, Kommunionhelfer, Singegruppen am Altar oder auf der Orgelempore: Alle bringen sich ein, sind eifrig dabei, wollen was tun. Durch was genau hebt sich denn dann der Priester noch davon ab?

Der Priester ist derjenige, der mit Vollmacht der Kirche von Sünden losspricht und die Eucharistie feiern kann. Im Handeln des Priesters wird deutlich, dass Gott in der Kirche anwesend sein will. Das vollzieht sich im Handeln des Priesters und wird daran deutlich. Letztlich repräsentiert er in der Messfeier Christus selbst. Und damit steht nicht der Priester, sondern Christus im Mittelpunkt.

Wenn wir uns zur heiligen Messe versammeln, dann muss immer deutlich sein, um was es eigentlich geht. Dass wir das nicht tun für uns oder für die Gemeinschaft, für einen Lobpreis Gottes, sondern dass es vor allem Gott ist, der in den Sakramenten handelt – an uns.

Die sakramentale Verfasstheit der Kirche scheint, doch jedenfalls im deutschsprachigen Kulturraum, in Bedrängnis geraten zu sein.

Das beginnt ja schon dort, wo Pfarreien nicht mehr von einem Priester geleitet werden können. Kann man sich so als Kirche versammeln? Es muss bis zum Schluss deutlich bleiben, dass wir uns in der Kirche versammeln, weil Gott sich in den Sakramenten uns schenkt, weil die Kirche selbst Sakrament ist.

Was sind denn die Sakramente?

Es gibt die Initiationssakramente, also die Taufe, die Firmung und die Erstkommunion – die Sakramente der Eingliederung –, die Sakramente der Heilung und Vergebung, die Beichte und die Krankensalbung, und die Sakramente der persönlichen Lebensgestaltung und Berufung: die Ehe und die dreigliedrige Weihe – zum Diakon, Priester und Bischof.

Warum kann die nicht etwa eine engagierte Pastoralreferentin spenden? Muss die Kirche denn nicht mit der Zeit gehen?

Es ist ja so, dass manche Sakramente auch von Laien gespendet werden können: nämlich im Notfall. Die Sakramente sind nicht etwas, das den Leuten vorenthalten werden soll. Daran, dass zum Beispiel im Notfall jeder die Taufe spenden kann, zeigt sich, wie wichtig es ist, dass Menschen getauft werden! Jesus Christus hat die Kirche gestiftet und es den Menschen anvertraut, dass er in der Welt weiterwirkt. Aber er hat sich dafür entschieden, dass er konkrete Menschen dafür beruft, sie mit ihrem ganzen Leben in die Verantwortung nimmt mit allem, was dazugehört, und sie beauftragt, das, wie Gott an den Menschen handeln möchte, auch zu tun – in seinem Namen und Auftrag.

Das bedeutet also, es kann nicht jeder fromm gesinnte Laie die Taufe spenden, die Firmung spenden, bei der Eheschließung assistieren und so weiter?

Nein, denn es ist ja gerade ein Dienst, den Gott durch die Kirche spendet, und deswegen geschieht die Sakramentenspendung durch die, die dazu rechtmäßig geweiht und beauftragt sind.

Sie tragen nicht die klassische weltpriesterliche Soutane, wie sie lange Zeit die klassische Alltagskleidung des Priesterstandes war, sondern ein schwarzes Kollarhemd sowie eine schwarze Strickjacke. Ist die Soutane heute nicht mehr gewünscht, nicht mehr üblich?

In erster Linie ist die Soutane die Berufskleidung wie das, was ich jetzt auch trage, damit erkennbar ist, welchen Berufsstand ich habe. Und Berufskleidung ändert sich mit der Zeit. Die heutigen Menschen tragen nicht mehr das, was vor 100 oder 200 Jahren getragen worden ist. So ist auch die Soutane ein bisschen aus der Zeit gefallen. Aber trotzdem ist es wichtig, erkennbar zu sein als Priester, dass man das Priestersein nicht einfach ablegt, es nicht versteckt. Es ist ähnlich wie beim Ehering: da würde man sich auch gut überlegen, bei welcher Gelegenheit legt man den ab und warum? Was wären denn da die Beweggründe? Und so gesehen finde ich es wichtig, auch als Priester jederzeit erkennbar zu bleiben. Ob das in der Soutane ist oder mit Kollarhemd – beides ist möglich.

Wie sind die Reaktionen Ihres Umfeldes, seit Sie durch die Kleidung als Kleriker erkennbar sind?

Hier in Paderborn kommt es häufiger vor, dass man als Geistlicher erkannt wird. In Berlin ist es eher selten, dass man darauf angesprochen wird. Weil es auch nicht viele Priester in Berlin gibt und auch nicht alle priesterliche Kleidung tragen und nicht an allen Orten sind. Es ist relativ selten, dass ein Priester in der U- oder S-Bahn sitzt. Und in Berlin zieht sich jeder ohnehin an, wie er will, und da sind auch die kuriosesten Sachen dabei, so dass man mit einem Kollarkragen erst mal nicht besonders auffällt (lacht).

Ist die heutige Priestergeneration, zu der Sie gehören werden, theologisch und weltanschaulich konservativer, kirchentreuer, glaubenstreuer als die Generation vor Ihnen? Wie ist Ihre Wahrnehmung?

Erst mal kann man feststellen, dass die nächste Generation, die jetzt vor der Weihe steht oder gerade geweiht worden ist, Kinder ihrer Zeit sind. Auch mit dem Suchen und Fragen, das sich in unserer Zeit auch verändert hat, als es vor zwanzig, dreißig Jahren war. Das spürt man nicht nur in der Kirche, sondern auch außerhalb der Kirche, dass sich da etwas verändert hat und auch noch in Zukunft verändern wird. Das ist auch meine Hoffnung. Ansatzweise merkt man das bereits, dass die Menschen auf der Suche sind, wie sie ihr Leben verwirklichen können, aber nicht im Sinne eines Sich-selbst-erfinden-Müssens, sondern, dass sie eigentlich in sich selbst hineinschauen, und auch an dem Zeugnis der Mitmenschen sehen, dass es etwas viel Größeres gibt, dem sie sich widmen können und das hilft, wirklich der Mensch zu werden, als der sie von Gott erdacht wurden.

Aber es ist schon so, dass die Priestergeneration von heute eine andere ist als vor 20 Jahren, die sich andere Fragen stellt, auch das Verhältnis der Kirche zur Gesellschaft anders bewertet. Jetzt ist es bei mir so, dass ich, gerade weil ich aus Ostdeutschland stamme, das auch noch anders wahrnehme, als es hier vielleicht in Paderborn ist. Aber selbst hier verändert sich vieles.

Sie sind in der Diaspora aufgewachsen.

Da ist Kirche schon immer wahrgenommen worden als etwas, was anders ist als die Gesellschaft. Was aber auch heißt, dass man sich der Gesellschaft nicht anpassen muss und soll, um Zeugnis für den Glauben zu geben. ich glaube, das spürt man mittlerweile auch in anderen Regionen Deutschlands. Sowohl innerhalb der Kirche, aber auch die Frage, was die Kirche für die Gesellschaft sein kann.

Dann hat sich auch etwas verändert, weil der Weg zum Priesteramt kein leichter ist und schon viel dazugehört, sich auf den Weg zu machen. Und man viele Hürden meistern muss, auch viele Steine in den Weg gelegt werden und man sich schon sehr sicher sein muss.

Woran liegt das? Weil es nicht mehr so selbstverständlich ist wie in früheren Jahrzehnten?

Nicht nur nicht mehr selbstverständlich, sondern auch, weil nicht notwendigerweise auch eine hohe Anerkennung damit einhergeht. Im Gegenteil. Also, man hat schon mit sehr viel Gegenwind zu rechnen, auch innerhalb der Kirche.

Sogar innerhalb der Kirche?

Es ist nicht selbstverständlich, dass man Menschen trifft, die den eigenen Weg zum Priestertum gutheißen und unbefangen unterstützen.

„Ich habe die Kirche erlebt als einen Ort von Heimat und von Freiheit“

Die landestypische Kritik an der Kirche prallt wahrscheinlich nicht einfach an den Mauern des Priesterseminars ab. Inwieweit reflektieren Sie im Seminar Anwürfe gegen die Kirche im Allgemeinen und Anwürfe an das Priestertum im Besonderen?

Diese spielen schon eine Rolle, man ist mit den Fakten konfrontiert, im Studium oder auch im Seminar. Wir sprechen darüber oder haben uns auch ausgetauscht. Gleichzeitig haben sich die Menschen, mit denen ich im Seminar war, auf den Weg begeben, weil sie ihre Berufung erforschen wollten und eigentlich nicht, weil sie das sakramentale Priesteramt der Kirche infrage stellen wollten.

Diakon Meyer vor dem Paderborner Dom: „Wie wichtig es ist, dass Menschen getauft werden!“

Die Diskursräume finden doch gar nicht mehr so statt. Da hat sich vieles verschoben – in der Gesellschaft wie in der Kirche. Man kommt gar nicht mehr so zueinander, um diese Fragen zu diskutieren, man hört sich gar nicht mehr so gegenseitig zu.

Auch in der Kirche begegnen sich oft die Strömungen und Lager nicht mehr. Die Themen beispielsweise in der Berliner Pfarrei, in der ich bin, sind nicht notwendigerweise die Themen, die beim Synodalen Weg besprochen werden oder im Studium oder im Priesterseminar besprochen worden sind.

Also wird im Priesterseminar kein Aufstand gegen die sakramentale Verfasstheit der Kirche geprobt?

Davon ist nicht auszugehen (lacht). Ich denke, die wenigen Leute, die sich noch auf den Weg machen, die tun das mit einer großen Ehrlichkeit und Bewusstheit für die Diskussionen und für die Auseinandersetzung in der Kirche und in der Gesellschaft, aber gleichzeitig auch in einer ziemlichen Klarheit darin, was sie denn eigentlich trägt und bestärkt hat.

Wenn ich für mich spreche: Ich habe die Kirche erlebt als einen Ort von Heimat und von Freiheit. Ich konnte dort Antworten für alle Lebenslagen erwarten. Und ich konnte aus dem Glauben, der Gotteserfahrung heraus leben. Und ich denke, es geht vielen so, die sich auf den Weg machen, die im Priesterseminar sind, dass der Glaube im Mittelpunkt steht: die Begegnung mit Gott, die sie erfahren haben und die sie leben wollen und dass sie auf der Suche sind, welcher Weg das für sie sein kann.

Aus allen bundesdeutschen Diözesen lassen sich dieses Jahr nur wenige Männer zu Priestern weihen. Sprechen Sie über diesen Befund mit den Kommilitonen, mit den Dozenten? Versuchen Sie, den Ursachen auf die Spur zu kommen?

Auf der einen Seite ist das schon ein großes Thema, im Seminar, in der Vorbereitung auf die Weihe. Ganz häufig auch aus der Sicht der Konsequenzen, was das zu bedeuten hat für die Zukunft, was auch strukturell damit einhergeht. Ich glaube, es wird viel zu selten auf die Gründe geschaut.

Welche sind das?

Dieses Modell der Ausbildung zum Priester in einem Seminar, das steht sehr in der Krise und wird hinterfragt. Viel stärker ist das Ideal, dass sich Priester mehr in der Welt und mit den Gläubigen gemeinsam auf das Priestertum vorbereiten. Dieser Ansatz ist ja erst mal sehr schlüssig, bloß ist es, glaube ich, schwierig, in der Welt noch Menschen zu finden, die gemeinsam mit einem diesen Weg gehen und ihn mittragen wollen. Auch in den Gemeinden ist es immer schwieriger, Menschen zu finden, die sich ernsthaft damit auseinandersetzen und wissen, was das bedeutet, sowohl persönlich-existenziell, aber auch für die Kirche. Die um die Notwendigkeit des Gebets um und für geistliche Berufungen wissen.

„Priesterliches Leben kann nur gelingen, wenn es von der Gemeinde getragen wird“

Wenn Seminaristen „in der Welt“ leben, mit Kommilitonen anderer Fakultäten zusammen, desto größer sind die Versuchungen, den Entschluss doch wieder fallenzulassen.

Grundsätzlich ist es gut und richtig, Berufungen zu prüfen. Am Ende kann das priesterliche Leben auch nur gelingen, weil es von anderen Menschen, in der Gemeinde getragen wird. Und das ist, glaube ich, die Herausforderung. Wenn das fehlt, dann stellt sich viel stärker die Frage, warum habe ich mich eigentlich zum zölibatären Leben entschieden, wenn ich am Ende allein dasitze und das von keinem verstanden und von keinem getragen wird?

Dann ist das Schwierige am Zölibat nicht die Ehelosigkeit als solche, sondern vielmehr Einsamkeit und Nicht-gewollt-Werden?

Die Vereinzelung durch den sogenannten „Priestermangel“, aber vor allem auch den „Gläubigenmangel“, ist eine Herausforderung. Am Ende ist man auf Gemeinschaft angewiesen. Und die kann immer schwieriger gelebt werden, wenn sich kaum jemand zum Gottesdienst versammelt, oder wenn es die Gemeinde vor Ort gar nicht mehr gibt, wenn Strukturen zusammengelegt werden, wenn Priester nicht mehr gemeinsam leben oder nicht mehr Verantwortung wahrnehmen in einer Gemeinde.

Die niedrigen Zahlen an Priesteramtskandidaten, die wir haben, hängen auch damit zusammen, dass es immer weniger Gläubige gibt, die sich ernsthaft mit Fragen des Glaubens und der Nachfolge auseinandersetzen. Und ich stelle die These auf, dass sich das Verhältnis zwischen Priester und Gottesdienstteilnehmern in den letzten Jahren nicht stark verändert hat. Im Gegenteil, wahrscheinlich gibt es relativ gesehen sogar immer mehr Priester auf Gottesdienstteilnehmer.

Das heißt, je weniger Gläubige es gibt, desto weniger junge Menschen gibt es auch, die eine Berufung prüfen.

Ja, natürlich. Räume, wo sich junge Menschen im Glauben versammeln, gemeinsam austauschen über den Glauben, über Lebensentscheidungen, auch die Frage der Berufung gestellt wird, auch das Gebet eine Rolle spielt, diese Räume gibt es immer seltener.

Wie werden Sie als Priester Menschen auf Gott aufmerksam machen, denen die Frage danach vollkommen schnuppe ist, die mit sich und der Welt zufrieden sind?

(schmunzelt) Da würde ich nachhaken, inwieweit sie mit der Welt wirklich zufrieden sind. Ich glaube, den Menschen, der restlos mit der Welt zufrieden ist, den gibt es nicht. Der Mensch ist angelegt mit einer tiefen Sehnsucht, mit Hoffnung, er ist immer auch auf der Suche. Vielleicht wird es gerade in unserer heutigen Zeit mit ihren Krisen noch deutlicher, dass wir Sicherheit und Gewissheit hier in dieser Welt nicht finden können; Gewissheiten, in denen wir lange gelebt haben, sind infrage gestellt. Junge Menschen nehmen das bewusst wahr. Solange sie sich nicht mit Belanglosigkeiten und Abhängigkeiten zufriedengeben oder betäuben. Auch, dass sie ein Sehnen in sich haben, das nicht gestillt werden kann, sondern dass sie immer auch auf der Suche sind. Und dass sie Erfüllung sich selbst nicht geben können.

Lieber Herr Diakon, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen herzlich alles Gute.

› Kennen Sie schon unseren Corrigenda-Telegram- und WhatsApp-Kanal?

2
Kommentare

Kommentare