Die Doppelmoral der Medien bei Corona hält sogar jetzt noch an
Ein knappes halbes Jahr her ist es seit dem Fall rund um Patrick Fischer, den damaligen Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft. Er hatte gegenüber einem Journalisten eingeräumt, ein gefälschtes Impfzertifikat erworben zu haben, um mit seinem Team an die Olympischen Spiele in China zu reisen. Fischer verlor seinen Posten, dafür eroberte er unfreiwillig über Wochen die Schlagzeilen.
Nun der nächste Fall: Der Fußballer Granit Xhaka, den man dank seines jahrelangen Engagements bei Arsenal über die Schweiz hinaus kennt und der als Kapitän der Nationalmannschaft fungiert. Er flog im Zusammenhang mit einer Untersuchung gegen eine Ärztin auf, die im Verdacht steht, Impfzertifikate ohne Impfung ausgestellt zu haben. Xhaka gestand kurz nach den ersten Meldungen öffentlich, er habe sich 2022 aus Verunsicherung über den Wirkstoff die Spritze nicht geben lassen, sehr wohl aber das Zertifikat.
Der Hockey-Trainer und der Fußballspieler dürften in bester und vor allem großer Gesellschaft sein. Jeder kennt jemanden, der sich in der Coronazeit vom vertrauten Arzt der Familie eine Maskendispens ausstellen ließ, ohne eine Untersuchung über sich ergehen zu lassen oder der sich ein Impfzertifikat über eine Telegram-Gruppe beschafft hatte. Das Tricksen wurde zum Volkssport.
Grandioser Gesprächsstoff am Stammtisch
Die Mehrheit der Bevölkerung bestand zwar auch in der Schweiz aus Leuten, die treuselig den Versprechungen des Konglomerats aus Politik, Medien und Hersteller glaubten, wonach die Impfung Schutz vor einer großen Gefahr liefere und völlig ungefährlich sei. Aber es blieb doch eine signifikante Minderheit, die diesen Beteuerungen misstraute und gleichzeitig wenig Lust auf die Einschränkungen hatte, die der Status als Ungeimpfter mit sich brachte. Dann wurde man eben erfinderisch.
Enthüllungen wie die über Granit Xhaka sind grandioser Gesprächsstoff am Stammtisch. Darüber hinaus bringen sie aber vor allem die Doppelmoral der Medien zu Tage. In den Redaktionsstuben der Schweizer Zeitungen herrschte Ausnahmezustand. Jeder Nebenschauplatz der Geschichte wurde bespielt, Xhakas Gesicht prangte auf allen Titelseiten. Corona ist zurück, jedenfalls als Gesprächsthema.
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Was auch richtig sei, erklärte ein Journalist in einem Podcast des Tages-Anzeiger, denn man könne solche Verfehlungen nicht einfach totschweigen oder verharmlosen, nur weil sie Jahre zurückliegen. Die Schweiz habe schließlich einen Rechtsstaat.
Letzteres stimmt, und hinter den Kulissen läuft derzeit die Strafuntersuchung, an deren Ende ein Urteil stehen wird. Wie auch immer dieses aussehen wird: Die mediale Empörung und die Moralpredigten wurden schon vorab geliefert. Und das ausgerechnet von den Leuten, die doch am liebsten nie wieder über die Coronazeit gesprochen hätten.
Keine Aufarbeitung, aber Verurteilung
Darin liegt die erwähnte Doppelmoral. Gegen eine Aufarbeitung der Ereignisse ab 2020 sperren sich die Journalisten der großen Verlage. Wer sie fordert, dem wirft man vor, nicht loslassen zu können, alten Geschichten nachzuhängen und nachtragend zu sein. „Es ist dann mal gut“ ist die typische Reaktion auf die Kritik darüber, dass auch in der Schweiz nicht offen darüber diskutiert wird, was damals allenfalls falsch lief und wer dafür verantwortlich war.
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Ironischerweise ist aber überhaupt nicht „dann mal gut“, wenn es darum geht, jahrealte Fälle von Zertifikatstricksern zu beleuchten. Da wird ein journalistischer Aufwand zur Aufdeckung von Details entwickelt, den man sich in der Coronazeit gewünscht hätte. Damals erschöpfte sich die Energie der Medienschaffenden darin, offizielle Verlautbarungen der Regierung zu redigieren oder die schönsten Impfzentren des Landes zu küren.
„Bitte nicht schon wieder“ heißt es, wenn man Journalisten mit ihrer Rolle in den Coronajahren konfrontiert. „Bitte mehr davon“ heißt es, wenn man Schlagzeilen generieren kann über einen prominenten Sportler, der unter die Räder kommt, weil er das verfassungsmäßige Recht auf die Unversehrtheit seines Körpers beansprucht.
SVP-Politiker fordert Amnestie
Der jüngste Fall hat nun politische Folgen. Andreas Glarner, Nationalrat der Schweizerischen Volkspartei (SVP), hat soeben eine Parlamentarische Initiative auf den Weg gebracht, die eine Amnestie für Leute fordert, welche in der Coronazeit zu illegalen Mitteln griffen, ohne durch diese Dritte zu gefährden. Er begründet das damit, dass die Covid-19-Wirkstoffe nicht hielten, was versprochen wurde. Man habe zwar strafwidrig gehandelt mit dem Kauf eines falschen Zertifikats, aber eine strafrechtliche Verfolgung Jahre später sei vor diesem Hintergrund nicht verhältnismäßig.
Der Vorstoß dürfte chancenlos sein. Die vorgeschlagene Amnestie wäre das indirekte Eingeständnis der Parlamentarier, dass sie die besagten falschen Versprechungen unkritisch mitgetragen haben. Auch Jahre nach Corona hat die Allianz aus Politik und Medien keine Risse.
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Kommentare
Die Medien sollten Corona sehr genau analysieren in ALLE Richtungen von Panik mache bis zur Instrumentalisierung der Impf-Angst durch verschiedenste Gruppen von Esoterikern bis Identitäre auch klar offenlegen, wer was an Förderungen erhalten und wer gut verdient hat, da die Wirkungen in der Gesellschaft bis heute verheerend sind.
Ich, Fachkrankenpfleger für Anästhesie, befürworte Impfungen nach wie vor.
Und ich verurteile Betrug mit Impfbescheinigungen, Tests oder Attesten.
Aber mir ist es schnuppe, ob mein Gegenüber geimpft ist/war. Jeder entscheidet selber.
Ja, vieles lief damals schief, gerade in der Politik. Zu Beginn sicher aus Unwissenheit, dann eben lieber auf Sicherheit setzen. Später wohl auch aus fragwürdigen Motiven.
Und darüber sollte man sprechen!